Wir trinken Plastik

Die Meere sind voller Plastik, die Strände sind voller Plastik und wie eine neue, gerade veröffentlichte Studie von Orb Media nun zeigt: selbst unser Leitungswasser ist voller Plastik!

ForscherInnen haben das Leitungswasser in mehr als zwölf Ländern weltweit untersucht. Die Ergebnisse sind erschreckend. Hätte man mich raten lassen, selbst ich wäre daneben gelegen! Durchschnittlich haben 83% der untersuchten Proben Kunststofffasern enthalten. Die höchste Verschmutzung haben die ForscherInnen in den USA festgestellt, hier wurden in 94% der Proben Plastikfasern gemessen. Gleich dahinter folgt der Libanon mit 93,8% und Indien liegt bei 82,4%.

Am anderen Ende der Welt

Schlimm für Amerika, den Libanon und Indien, könnte man jetzt denken, aber die kümmern sich eben auch nicht gut um ihr Leitungswasser! Bei uns ist das sicher ganz anders! Oder?

Europa liegt tatsächlich am Ende des Rankings – und trotzdem bei 72 Prozent! Das sind fast drei Viertel alle Proben. Oder anders ausgedrückt: 3 von 4 Schlucken Leitungswasser, die wir trinken, enthalten Kunststofffasern.

Wo kommt das Plastik her?

Jetzt zur vielleicht spannendsten Frage: wo kommt das Plastik her und wieso ist es jetzt in unserem Trinkwasser? Die grandiose Antwort: wir wissen es nicht so ganz. YEAH. Du nicht, ich nicht und vor allem: die ForscherInnen wissen es nicht.

Viele der Fasern dürften vermutlich aus unserer Kleidung stammen. Viele Kleidungsstücke bestehen aus Polyester, Fleece und ähnlichen Stoffen, die aus Plastik hergestellt werden. Beim Waschen dieser Kleidung in der Waschmaschine werden kleine Phasen aus diesen Kleidungsstücken freigesetzt (Mikroplastik) und gelangen so ins Wasser. Dazu kommen noch Kosmetikprodukte mit Mikroplastik und sicher zahlreiche weitere Verursacher.

Welche Wirkung haben die Kunststofffasern auf uns?

Noch so eine spannende Frage, noch einmal die gleiche Antwort: wir wissen es nicht. Mir kommen sofort Fotos von toten Fischen, Walen und Vögeln in den Kopf, denen nach dem Tod der Bauch aufgeschnitten wurde und bei denen als traurige Todesursache verhungern festgestellt wurde. Sie sind verhungert, weil ihre Mägen voller Plastikmüll waren und sie keine richtige Nahrung mehr aufnehmen konnten. Welche genauen Auswirkungen die Kunststofffasern auf uns haben werden, wissen wir also noch nicht. Ich traue mich mal zu behaupten, dass der menschliche Körper zumindest nicht besonders begeistert darauf reagiert..

Was können wir dagegen machen?

Die Plastikfasern die da sind, sind vermutlich gekommen um zu bleiben – wir können nur hoffen, dass Forscherinnen und Forscher bald neue Filtersysteme entwickeln, die selbst mit Mikroplastik umgehen können. Was tatsächlich jede und jeder Einzelne von uns tun kann, ist ganz einfach im Alltag weniger Plastik zu benutzen! Kauf dir zum Beispiel eine Trinkflasche, die du immer wieder neu mit Wasser befüllen kannst, auch wenn du unterwegs bist, anstatt Mineralwasser in Plastikflaschen zu kaufen. Das spart große Mengen an Müll.

(Und nur für den Fall, dass du jetzt überlegt hattest, den gegenteiligen Weg zu gehen – also aufgrund dieser Verunreinigungen im Leitungswasser auf Wasser aus Plastikflaschen umzusteigen, möchte ich dir nur die viele Zeitungsartikel, Berichte und Studien über Verunreinigungen die in Mineralwasser gefunden wurden, in Erinnerung rufen. Hinzu kommt eben der Müll, den die Plastikflaschen verursachen und die oft fragwürdigen Quellen aus denen das Wasser kommt.)

Achte bitte besonders bei Kosmetikartikeln darauf, dass sie kein Mikroplastik enthalten – das ist vor allem oft bei Duschgels mit Peeling-Effekt der Fall, aber auch bei Zahnpasten und weiteren Produkten.

Gemeinsam können wir eine Veränderung, eine Verbesserung bewirken – triff aufmerksame Entscheidungen und schon bist du eine Verbesserin, ein Verbesserer, ein Mensch der verbessert!

 

Artikel über die Studie in der Zeitung „The Guardian“

Ein Kommentar bei „Wir trinken Plastik“

  1. Traurig – trauriger – ich 🙁
    echt schreckliche News.
    Um Plastik zu vermeiden kann ich den Sodastream sehr empfehlen. Selbst zuhause in den eigenen Flaschen sprudeln und die CO2 Flasche wird wieder nachgefüllt 🙂
    Gut zu wissen wäre, in welchen Kosmetik Artikeln Mikroplastik ist! Da gibt es eine App- leider weiß ich den Namen aber nicht… Kennt die wer?

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